Aufbau und Ablauf der Abschlussprüfung

Aufbau und Ablauf der Abschlussprüfung – Anwendungsentwickler-Podcast #1

In der ersten Folge meines Podcasts für Anwendungsentwickler geht es um den Aufbau und den Ablauf der Abschlussprüfung zum Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung. Dieser Rahmen sollte allen Auszubildenden und Ausbildern geläufig sein, da die drei Jahre der Ausbildung eigentlich nur auf diese eine Endprüfung hinarbeiten. Der Aufbau der Abschlussprüfung ist für alle IT-Berufe identisch, die Inhalte unterscheiden sich aber natürlich. Insbesondere die Dauer und die Inhalte der Projektarbeit sind berufsspezifisch. Der Großteil der schriftlichen Prüfung (GH II und WiSo) ist jedoch für alle Berufe (Fachinformatiker Anwendungsentwicklung und Systemintegration, Informatikkaufleute, IT-System-Kaufleute) gleich.

Wer es ganz genau wissen will, schaut am besten in die Verordnung über die Berufsausbildung im Bereich der Informations- und Telekommunikationstechnik.

Aufbau der Abschlussprüfung

Teil A (praktischer Teil)

Der Prüfling soll in Teil A der Prüfung eine betriebliche Projektarbeit durchführen und dokumentieren sowie in insgesamt höchstens 30 Minuten diese Projektarbeit präsentieren und darüber ein Fachgespräch führen. Teil A geht mit 50% in das Gesamtergebnis ein.

  • Dokumentation der Projektarbeit
    • Ziel: Durch die Projektarbeit und deren Dokumentation soll der Prüfling belegen, daß er Arbeitsabläufe und Teilaufgaben zielorientiert unter Beachtung wirtschaftlicher, technischer, organisatorischer und zeitlicher Vorgaben selbständig planen und kundengerecht umsetzen sowie Dokumentationen kundengerecht anfertigen, zusammenstellen und modifizieren kann.
    • Inhalt: Entwicklung eines Programms oder Erstellung eines Pflichtenhefts.
    • Dauer: 70 Stunden
    • Anteil an Bewertung: 50%
  • Präsentation und Fachgespräch
    • Ziel: Durch die Präsentation einschließlich Fachgespräch soll der Prüfling zeigen, daß er fachbezogene Probleme und Lösungskonzepte zielgruppengerecht darstellen, den für die Projektarbeit relevanten fachlichen Hintergrund aufzeigen sowie die Vorgehensweise im Projekt begründen kann.
    • Inhalt: Kurzdarstellung des Projekts (Präsentation) sowie Beantwortung fachlicher Fragen zum Projekt bzw. den Ausbildungsinhalten (Fachgespräch).
    • Dauer: jeweils 15 Minuten
    • Anteil an Bewertung: 50%

Teil B (theoretischer/schriftlicher Teil)

Der Prüfungsteil B besteht aus den drei Prüfungsbereichen Ganzheitliche Aufgabe I, Ganzheitliche Aufgabe II sowie Wirtschafts- und Sozialkunde. Teil B geht ebenfalls mit 50% in das Gesamtergebnis ein.

  • Ganzheitliche Aufgabe I
    • Ziel: Nachweis der fach-/berufsspezifischen Qualifikationen
    • Inhalt (u.a.): Anwendungsentwicklung (UML, Struktogramme usw.), Projektplanung (Netzplan usw.), Datenbankentwicklung (ERM, Tabellenmodell usw.)
    • Dauer: 90 Minuten
    • Anteil an Bewertung: 40%
  • Ganzheitliche Aufgabe II
    • Ziel: Nachweis der fach-/berufsübergreifenden Qualifikationen
    • Inhalt (u.a.): Wirtschaft, Englisch, Datenmodelle, Hardware, Software
    • Dauer: 90 Minuten
    • Anteil an Bewertung: 40%
  • Wirtschafts- und Sozialkunde (WiSo)
    • Ziel: Nachweis der allgemeinen Kenntnisse für die Arbeitswelt
    • Inhalt: allgemeine, wirtschaftliche und gesellschaftliche Zusammenhänge aus der Berufs- und Arbeitswelt
    • Dauer: 60 Minuten
    • Anteil an Bewertung: 20%

Nicht-Bestehen der Prüfung

  • Ein „ungenügend“ (6) in einem der Prüfungsteile führt zum Nicht-Bestehen der Prüfung.
  • Ein „ausreichend“ (4) in Teil A und Teil B führt zum Bestehen der Prüfung.
  • Wenn in max. 2 Bereichen von Teil B nur ein „mangelhaft“ (5) erreicht wurde und in einem anderen mind. „ausreichend“ (4), kann die Prüfung durch eine mündliche Prüfung von 15 Minuten in einem durch den Prüfling zu bestimmenden Themenbereich ergänzt werden. Die Gewichtung ist dann 2:1 (altes Ergebnis:Ergänzungsprüfung).

Ablauf der Abschlussprüfung

Es gibt eine Sommer- und eine Winterprüfung. Die weitaus meisten Prüflinge nehmen an der Sommerprüfung teil. Auszubildende mit verkürzter Ausbildungszeit, duale Studenten oder Umschüler nehmen meist an der Winterprüfung teil.

  • Termine (Vgl. Termine der schriftlichen Abschlussprüfungen)
    • Schriftliche Prüfung: April/Mai (Sommer) bzw. November/Dezember (Winter)
    • Mündliche Prüfung (Präsentation/Fachgespräch): Mai/Juni/Juli (Sommer) bzw. Dezember/Januar (Winter)
  • Betriebliche Projektarbeit
    • Abgabe des Antrags: Februar (Sommer) bzw. September (Winter)
    • Bearbeitungszeit: ab Genehmigung des Antrags durch den Prüfungsausschuss (meist einige Wochen nach Antragsstellung) bis zu einem festgelegten Termin (meist zwischen schriftlicher und mündlicher Prüfung)
    • Abgabe der Dokumentation: meist zwischen schriftlicher und mündlicher Prüfung
  • Mitteilung der Prüfungsergebnisse
    • schriftliche Prüfung: einige Wochen nach dem Prüfungstermin jedoch vor der mündlichen Prüfung
    • mündliche Prüfung: am Tag der mündlichen Prüfung
    • Gesamtergebnis: am Tag der mündlichen Prüfung

Literaturempfehlungen

  • Anselm Rohrer - Clevere Tipps für die Projektarbeit – IT-Berufe: Abschlussprüfung Teil A (Affiliate)*
  • Felicia Ullrich - Ratgeber für die mündliche Prüfung. 10 clevere Tips für die mündliche Prüfung (Affiliate)*

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7 thoughts on “Aufbau und Ablauf der Abschlussprüfung – Anwendungsentwickler-Podcast #1

  1. Hallo Stefan,
    wahrscheinlich hast du diese Frage schon mehrfach gehört, aber was für einen Dresscode empfiehlst du für die mündliche?
    LG Basti

  2. Die Eckdaten sind erstaunlich unterschiedlich. Bei der IHK Dresden muss der Antrag (dieses Jahr) bis Mitte August abgegeben werden.
    Bearbeitungszeitraum und Abgabetermin der Dokumentation enden beide eine Woche vor der schriftlichen Prüfung.

  3. Hallo Anne,

    mal wieder ein gutes Beispiel für die Unterschiede zwischen den IHKen. Wenigstens die schriftlichen Prüfungen finden an einheitlichen Terminen statt…

    Viele Grüße!
    Stefan

  4. Sind der Aufbau und die Bewertung der Prüfungen sowie das Vorgehen bei z.B. 5,5,4 bei allen IHKs identisch? Ich habe darüber in meiner Prüfungsordnung nichts gefunden. Ich meine mal etwas gelesen zu haben aber ich finde nichts davon wieder. Ich geh nicht davon aus lediglich die Noten 5,5,4 zu schreiben aber mich würde schon interresieren was passiert wenn ich jetzt, sagen wir, einen ausrutscher in GH1 lande und nur auf die Note 5 komme, dafür GH2 sowie WiSo mit den Noten 2 und 3 abgebe. Insgesamt komm ich damit ja über die 50%, aber der einzelne Prüfungsteil ist es nicht. Schön wär das nicht aber mir lieber als die Prüfung zu wiederholen.

  5. Hallo Lukas,

    ja, das sind Vorgaben aus der Verordnung über die Berufsausbildung im Bereich der Informations- und Telekommunikationstechnik, die meines Wissens nach nicht einfach von einzelnen IHKen außer Kraft gesetzt werden können.

    Bei einem Ausrutscher passiert genau, was du beschrieben hast: du bestehst, aber es steht eine 5 auf dem Zeugnis. Einzelne Prüfungsteile auf Wunsch zu wiederholen geht meines Wissens nach nicht.

    Viele Grüße!
    Stefan

  6. Ok vielen dank für die Antwort!
    Wie bereits gesagt, ich geh mal nicht davon aus unter 70% zu schreiben, aber wer weiß. Kann ja alles mögliche passieren. Die IHK verschätzt sich bei der Zeit, dem Schwierigkeitsgrad oder deckt eine Wissenslücke bei mir auf… Mit der Info kann ich aber mit mehr Zuversicht in die Prüfung nächste Woche gehen und beim Lernen ruhig bleiben 🙂
    Die Seite ist eine gute Idee und war mir eine gute Hilfe um mich daran zu orientieren und eben solche Fragen zu klären. Danke nochmal dafür!

    Gruß,
    Lukas

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