Erzählperspektive der Projektdokumentation

Für viele Prüflinge ist die Projektdokumentation eine der ersten „großen“ schriftlichen Arbeiten in ihrer Karriere, wenn wir davon ausgehen, dass die meisten Azubis nicht schon vor der Ausbildung ein Studium absolviert haben oder gar neben der Ausbildung studieren (oder noch besser: dual studieren, z.B. an der PHWT oder dem IDS). Daher kommen nicht nur häufig Fragen bzgl. des (technischen und betriebswirtschaftlichen) Inhalts der Projektdokumentation auf, sondern auch bzgl. der Gestaltung und Formulierung des Textes.

Eine häufige Frage zur Formulierung des Textes ist, ob die „Ich-Form“ (auch: Erste Person Singular, „Ich-Erzähler“) verwendet werden sollte oder nicht. Es folgen drei Formulierungen desselben Sachverhalts (C# wurde als Programmiersprache verwendet).

  1. „Ich habe mich dafür entschieden, C# zu verwenden.“
  2. „Der Autor entschied sich für C# zur Umsetzung des Projekts.
  3. „Das Projekt wurde mit C# umgesetzt.“

Die Ich-Form (das erste Beispiel) ist in der Projektdokumentation (und auch in anderen Texten, z.B. im Rahmen eines Studiums) die schlechteste Variante, da eine subjektive Perspektive eingenommen wird. Eine sachliche/objektive Dokumentation sollte aber frei von persönlichen Präferenzen sein.

Die zweite Variante ist ein wenig besser und meiner Meinung nach auch ab und zu sinnvoll, z.B. wenn explizit dargestellt werden soll, dass der Autor (oder die Autorin) eine Entscheidung getroffen hat. Auch im Fazit der Dokumentation ist es durchaus sinnvoll, seine eigene Meinung kund zu tun oder zu formulieren, was man im Projekt gelernt hat („Lessons Learned“). Dort bietet sich diese Variante an. „Es wurde gelernt, dass…“ klingt einfach gruselig.

Für den Großteil der Projektdokumentation sollte aber die dritte Variante gewählt werden: eine sachliche Schilderung des Projektverlaufs in passiver Schreibweise. Viele Prüfer erwarten diese Form (vgl. Warum soll ich die Dokumentation nicht in der Ich-Form schreiben?). Zusätzlich empfehle ich die Verwendung des Präteritums für die Dokumentation des (abgeschlossenen) Projekts und das Präsens für allgemeine Aussagen (vgl. Zeitform der Projektdokumentation).

Achtung: Ich bin der Meinung, dass eine sachliche Erzählperspektive der einzig sinnvolle Stil für die Projektdokumentation ist. Allerdings kann es sein, dass bestimmte IHKen anderer Meinung sind und sogar explizit die Ich-Form fordern (oder eine andere Form schlechter bewerten). Wie immer gilt also: Klär die Formalien mit deiner IHK und verlasse dich nicht blind auf Tipps aus dem Internet! 😉


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Auch wenn die Projektdokumentation keine wissenschaftliche Arbeit ist, würde ich (zumindest bei der Formulierung) die gleichen Qualitätsanforderungen an sie stellen, da sie euch immerhin euren Berufsabschluss ermöglicht.

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4 thoughts on “Erzählperspektive der Projektdokumentation

  1. Ich finde einige dieser „Tipps“ sehr fragwürdig. Hier werden persönliche Präferenzen mehr oder weniger als Empfehlungen dargestellt. Es gibt Kammerbezirke, z.B. die IHK Mittleres Ruhrgebiet, in denen die Prüfer ganz ausdrücklich, in Antrag und Dokumentation, aktive Formulierungen in der „Ich-Form“ verlangen. Ich gehöre zu den armen Leuten, die dann unseren Auszubildenden klar machen müssen, dass sich die Umsetzung der Empfehlungen hier, in ihrer Doku nachteilig auswirken werden.

  2. Hallo Eduard,

    danke für den Hinweis. Bei einigen Tipps habe ich schon dazu geschrieben, wenn ich weiß, dass verschiedene IHKen unterschiedliche Meinungen dazu haben. Bei der Ich-Form war ich davon ausgegangen, dass man den Prüflingen grundsätzlich eine technische Schreibweise beibringen möchte. Im Unternehmen wird ja normalerweise auch nicht subjektiv angehaucht dokumentiert.

    Aber ich nehme deine Anmerkung natürlich gerne in den Artikel auf!

    Wenn du noch mehr Hinweise hast, schick mir gerne eine Mail oder schreib einen Kommentar zum jeweiligen Beitrag. Ich werde dann überall einen Hinweis ergänzen, dass die IHKen unterschiedlicher Meinung sein können.

    Viele Grüße!
    Stefan

  3. Hallo Stefan!

    Ich denke ein Hinweis darauf, dass die Kammerbezirke sich durchaus stark in der Ausprägung bestimmter Merkmale bei Antrag und Dokumentation unterscheiden , wäre sehr hilfreich. Einige Kammern haben für Projektanträge Formulare und/oder Checklisten, andere geben nur recht allgemeine Hinweise darauf, was erwartet wird. Hier bei uns ist wichtig, dass die Dokumentation ein „prozessorientierter Projektbericht“ ist, in dem die Eigenleistung klar von der Fremdleistung anderer abgegrenzt wird. Es viel Wert darauf gelegt, dass bei der Beschreibung aller Prozessschritte und deren Ergebnisse immer auch aktiv die eigenen Entscheidungen und Leitungen klar gemacht werden. Das geht in der „Ich-Form“ ganz einfach und klar. Anhänge, wie die Kundendokumentation oder das Pflichtenheft, sollte natürlich auf die Zielgruppe ausgerichtet werden und dürfen gern auf dem Stand einer „technische Schreibweise“ sein.

    Zu mir kommen immer wieder Auszubildende, die viel Internet nach Vorlagen suchen, aber leider nie die Handreichung der eigenen Kammer lesen. Ich fände den Hinweis schön, dass man als Auszubildender, bei allen Tipps, die man so im Netz findet, immer daran denken sollte, die Handreichung der zuständigen Kammer zuerst zu lesen.

    Gruß,
    Eduard

  4. Hallo Eduard,

    Auszubildende, die viel Internet nach Vorlagen suchen, aber leider nie die Handreichung der eigenen Kammer lesen.

    Das Problem kenne ich. Viele Fragen würden sich gar nicht stellen, wenn man einfach mal die Anleitung lesen würde :-/

    Ich nehme deinen Vorschlag gerne auf. Einen Hinweis zu diesem Artikel habe ich oben bereits nach deinem ersten Kommentar ergänzt.

    Viele Grüße!
    Stefan

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