Handout zur Projektpräsentation

Wie jedes Jahr, wenn es auf die mündlichen Prüfungen zugeht, kommt wieder die Frage auf:

Soll ich ein Handout zu meiner Projektpräsentation erstellen und es an den Prüfungsausschuss verteilen?

Die kurze Antwort (siehe auch Häufige Fragen zur mündlichen Prüfung) lautet nein.

Echtes Handout vs. ausgedruckte Folien

Vielleicht sollten wir mit einer kurzen Definition des Begriffs Handout starten. Ich würde darunter nämlich ein professionell aufbereitetes Textdokument verstehen, das nach allen Regeln der Kunst mit einer Textverarbeitungssoftware (bevorzugt natürlich LaTeX 😉 ) erstellt wurde. Die meisten Prüflinge verstehen unter Handout jedoch leider nur die ausgedruckten Folien der Präsentation.

Dieses „Dokument“ bietet dem Leser, der auch die Präsentation gesehen hat, keinen Mehrwert zur Präsentation. Und gerade wenn man einen ansprechenden Präsentationsstil (mit vielen Bildern und wenig Text) verwendet, sind ausgedruckte Folien allein so gut wie unbrauchbar, um den Inhalt zu verstehen (was auch gut ist, denn die Präsentation soll ja überzeugen und nicht die Folien).

Einige Prüflinge drucken daher noch ihre Notizen zu den Folien mit aus, sodass wenigstens etwas Inhalt transportiert wird. Das finde ich allerdings nicht sinnvoll. Entweder man macht sich die Mühe und erstellt ein vernünftiges Handout oder man lässt es gleich ganz. Ausgedruckte Folien sind nichts weiter als ein „Mittelweg“ für faule Präsentatoren (und ja, das sehe ich auch bei Nicht-IHK-Präsentationen so).

Sinn von Handouts

Handouts bei „echten“ Präsentationen dienen meist dazu, dass Zuhörer später noch einmal die Inhalte durchgehen oder die Präsentationsinhalte auch an nicht anwesende Interessenten verteilt werden können. Doch beide Anwendungsfälle sind bei der IHK-Prüfung nicht relevant. Die Prüfer können bei Fragen zur Präsentation einfach die Folien noch einmal vom Prüfling auflegen lassen (was wir z.B. in fast jeder Prüfung machen) und nicht anwesende Prüfer gibt es nicht (zumindest nicht in unserem Ausschuss 😉 ). Die Benotung erfolgt unmittelbar nach der Präsentation (ok, eigentlich erst nach dem Fachgespräch).

Vielleicht denken einige Prüflinge, das Erstellen eines Handouts gehört zu einer professionellen Präsentation dazu. Im betrieblichen Umfeld oder auf Konferenzen mag das auch stimmen. Aber das Ausdrucken der Folien würde ich auch in diesem Fall als unprofessionell betrachten, da das Medium einfach das falsche ist. Geschriebene Texte transportiert man einfach nicht optimal in Form von Halbsätzen mit spärlichen Notizen daneben. Stattdessen schreibt man einen vernünftigen Text. Oder man zeichnet den Vortrag auf Video auf (was bei den meisten Konferenzen heute schon gang und gäbe ist).

Überleg doch mal, ob du deinem Chef zur Entscheidungsfindung eher ein paar stichpunktartig formulierte Halbsätze hinklatschen würdest, oder stattdessen ein sauber formuliertes Dokument mit Kopf- und Fußzeile. In beiden Fällen gehen wir natürlich davon aus, dass der vielleicht beste Weg – eine spannende Präsentation – nicht in Frage kommt.

Bewertung durch die Prüfer

Einen weiteren Grund gegen Handouts habe ich noch. Egal ob ausgedruckte Folien oder echtes Handout: Wann sollten die Prüfer es lesen? Im engen Zeitplan des Prüfungstages gibt es dazu keine Möglichkeit. Wir haben z.B. für einen Prüfling eine Stunde Zeit. Rechnen wir mal: 5 Minuten Begrüßung, 15 Minuten Präsentation, 10 Minuten Beratung der Prüfer, 15 Minuten Fachgespräch, 10 Minuten Notenfindung, 5 Minuten Verabschiedung. Wer soll innerhalb von 10 Minuten ein Handout lesen und bewerten? Und selbst wenn es möglich wäre, würde ich die Zeit nicht investieren, da der Großteil der Note doch vom Vortrag abhängt und das Handout nur Beiwerk ist.

Daher landen – zumindest meiner Erfahrung nach – Handouts der Prüflinge leider ungelesen im Müll. Auch wenn es schade um das Papier ist. Alternativ geben wir die Unterlagen einfach zurück an den Prüfling. Bestandteil der Benotung werden sie jedenfalls nicht. Sollten andere Ausschüsse das anders handhaben, lasse ich mich gerne eines Besseren belehren! Vielleicht gibt es ja eine Bewertungsmatrix, die den Punkt „Handout vorhanden“ beinhaltet. Aber den Inhalt kann meiner Meinung nach niemand realistisch in der kurzen Zeit bewerten.

Handout als Notlösung bei technischen Problemen

Der einzige nachvollziehbare Grund für das Erstellen eines Handouts zur Projektpräsentation ist meiner Meinung nach, eine Alternative zu haben, falls die Technik (Beamer, Laptop, PowerPoint usw.) ausfällt. In diesem Fall ist man als Prüfling wirklich aufgeschmissen, wenn man die Technik nicht zur Sicherheit in doppelter Ausfühung dabei hat. Wer es dann hinbekommt, eine tolle Präsentation mit Papierfolien abzuliefern, kann trotzdem – oder gerade deswegen – eine gute Note bekommen.

Aber selbst in diesem Fall wären die klassischen Folien mit Notizen unsinnig. Stattdessen würde ich alle Folien auf einzelne Seiten drucken, um sie halbwegs erkennbar vor dem Ausschuss zu präsentieren. Also nur einmal und nicht für jeden Prüfer einzeln.

Verteilen des Handouts vor oder nach der Präsentation

Ich weiß nicht, ob du jetzt überzeugt davon bist, dass Handouts schwachsinnig sind. Vielleicht vertraust du lieben deinen Lehrern, die dir zu einem Handout raten. Oder du möchtest auf Nummer sicher gehen. Das kann ich verstehen. Aber dann habe ich trotzdem noch einen gut gemeinten Rat zum Schluss: Wenn du ein Handout erstellen möchtest (warum auch immer), dann verteile es bitte nicht vor der Präsentation an die Prüfer! Damit nimmst du dem Ausschuss auch noch das letzte Bisschen Spannung auf deinen Vortrag, das eventuell noch vorhanden war.

Was werden die Prüfer wohl mit den Zetteln machen, die du ihnen hinlegst? Richtig: reinschauen! Und dadurch wird eine ohnehin schon langweilige Präsentation noch unerträglicher. Denn nun sehe ich ja auf einen Blick, was mich in den nächsten 15 Minuten erwartet. Warum sollte ich dir dann noch zuhören?

Wess es also unbedingt ein Handout geben soll, dann verteile es doch bitte nach der Präsentation. Oder besser: Sag einfach, dass du eins hast, falls es Interesse gibt. Denn üblicherweise wissen die Prüflinge gar nicht, wie viele Prüfer im Ausschuss sitzen, und haben daher ohnehin nicht genug Handouts für alle dabei. Und das macht dann einen suboptimalen Eindruck. Insbesondere, wenn gerade der Ausschussvorsitzende kein Handout mehr abbekommt! 😉

Fazit

Ich kann natürlich nicht für alle Prüfungsausschüsse sprechen, aber meiner Meinung nach ist ein Handout zur Präsentation völlig unnötig. Lediglich als Backup-Lösung für einen Technikausfall wäre eine ausgedruckte Version der Präsentation sinnvoll. Spar dir das Papier und investiere deine Zeit besser in einen spannenden Vortrag!


Was hältst du von Handouts? Würdest du sie in der Abschlussprüfung verwenden? Oder hast du das vielleicht sogar schon getan? Dann würde ich mich über deinen Erfahrungsbericht in den Kommentaren freuen.

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14 thoughts on “Handout zur Projektpräsentation

  1. Hallo Stefan,

    auch ich arbeite in einem IHK Prüfungsausschuss und Teile deine Einschätzung. Handouts sind prinzipiell unnötig und höchstens als Backup für versagende Technik geeignet.

    VIele Grüße
    Sebastian

  2. Hallo,

    ich habe nächste Woche meine Präsentation und mir wurde gesagt, dass ein Handout nur dann sinnvoll ist, wenn sich die Prüfer nicht darüber einig sind, welche Themen in der Präsentation angesprochen wurden (z.B. die Wirtschaftlichkeit). Dann kann das Handout nützlich sein, um noch einmal „nachzuschlagen“. Ich werde nächste Woche zumindest ein (1x) Handout abgeben (nur für den Fall der Fälle) aber wahrscheinlich erst nach der Präsentation 😉

    Liebe Grüße

  3. Hallo Gregor,

    wir schauen dann einfach in die Folien (der Laptop steht da ja noch rum 😉 ). Aber wenn dein Ausschuss das so möchte, dann halte dich dran!

    Viele Grüße!
    Stefan

  4. Hallo Stefan,
    ich habe nächste Woche ebenfalls meine Präsentation. Die Präsentation habe ich ausgedruckt für jeden Prüfer und natürlich für mich dabei. Aber NUR für den Fall, dass ich die Vorführung „offline“ durchführen muss. Ein Hadout nach der Präsentation finde ich für den letzten Tag der Prüfung überflüssig.

    …viele Grüße…

  5. Ich hab meinen Laptop vor verlassen des Raumes gesperrt da ich ihn nicht unbeaufsichtigt rumstehen lasse, weder den privaten und vor allem nicht den dienstlichen Laptop.

  6. Hallo Ulf,

    das ist natürlich ratsam! Ich bezog mich auch eher auf das Fachgespräch, bei dem der Prüfling dann ja wieder mit im Raum ist. Zumindest meistens 😉

    Viele Grüße!
    Stefan

  7. Hallo,

    ich habe kommende Woche meine mündliche Prüfung und bei uns (IHK Dortmund) steht sogar auf der Einladung (die, die an alle geht), dass man nebst Ausbildungsnachweisen etc. die Präsentation in form eines Handouts mitzubringen hat.

  8. Hallo snemeis,

    Danke für den Hinweis. Wieder mal interessant zu erfahren, wie unterschiedlich sich die einzelnen IHKen verhalten.

    Viele Grüße!
    Stefan

  9. Hallo Mir wurde gesagt, dass man ein zweiten Medium mitbringen muss. Das heißt nur Laptop mitbringen und präsentieren würde nicht reichen. Punkte werden da dadurch abgezogen. Ich sollte handouts machen, Flipchart vorbereiten etc. Ich finde das ganz ehrlich total schwachsinnig.
    Aber vielleicht liege ich da falsch. Meinungen dazu? Ich habe vor sowieso die Folien in durchsichtigen Folien nochmal drucken zu lassen , falls Laptop/beamer ausfällt/funktioniert.

  10. Wenn du diese Vorgaben von deiner IHK bekommen hast, dann halte dich daran. Wenn es nur Hörensagen ist, würde ich das weglassen. Andererseits: Falls tatsächlich der Beamer ausfällt, bist du mit Folien auf der sicheren Seite. Aber ich persönlich würde da wohl eher einen Ersatzbeamer einpacken 🙂

  11. Das sind nicht die Vorgaben meiner IHK. Die sagen einfach keine Angaben. Aber diesen Tipp habe ich von einem Ausbilder bekommen. Er ist felsenfest davon überzeugt, dass man Punkte abgezogen bekommen würde, wenn man es nicht tut.

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