Inhalte der Projektpräsentation

Die Projektpräsentation sollte im Großen und Ganzen die Inhalte der Projektdokumentation verkürzt darstellen. Meist haben nicht alle Mitglieder des Prüfungsausschusses die Dokumentation gelesen, also sollte die Präsentation ohne dieses Hintergrundwissen verständlich sein. Ihr könnt davon ausgehen, dass im Prüfungsausschuss erfahrene Softwareentwickler sitzen, müsst also keine allgemein bekannten Begriffe erläutern (z.B. GUI, ERM usw.). Aber die Feinheiten eurer Branche, eures Ausbildungsbetriebes und insb. eures Projektumfelds wird niemand kennen.

Da die 15 Minuten – die ihr übrigens unbedingt einhalten müsst – recht knapp bemessen sind, sollten die wichtigsten und interessantesten Inhalte der Dokumentation gezeigt werden. Das sind hauptsächlich die angewendeten Methoden, z.B. in Form von UML-Diagrammen, und nicht langweilige Textwüsten. Super ist eine Live-Demo eurer Anwendung, wobei ihr sicher sein solltet, dass diese wie erwartet funktioniert. Ich würde daher eher zu Screenshots oder einem Screencast raten.

Im Folgenden habe ich die sinnvollen Inhalte der Projektpräsentation zusammengestellt.

Grundsätzliches

  • Alle Inhalte müssen gut lesbar sein. Ich empfehle mind. (!) Schriftgröße 24. Achtet insb. auf Grafiken und Quelltexte, die genauso groß sein sollten.
  • Nutzt woimmer es geht besser Grafiken/Diagramme anstatt Text zur Visualisierung eurer Arbeit. Die habt ihr ohnehin (hoffentlich) für die Dokumentation erstellt.
  • Zeigt interessante Inhalte und Beispiele und keine langweiligen Trivialitäten. Beispiel: Als Quelltextausschnitt nicht die Getter/Setter eurer Klasse zeigen, sondern den selbst entwickelten Algorithmus.
  • Die Corporate Identity (Logo, Fußzeile usw.) mag eurem Ausbildungsbetrieb heilig sein, aber wenn ihr große Grafiken oder Quelltext zeigen wollt und durch das Logo nur noch die halbe Folie an Platz zur Verfügung steht, würde ich zu Gunsten der Lesbarkeit auf die CI verzichten. Denkt daran: Es ist eure (!) Abschlussprüfung und keine Werbeveranstaltung eures Ausbildungsbetriebs.

Inhalte

  • Titelfolie mit Projektbezeichnung, Daten des Auszubildenden und des Ausbildungsbetriebs.
  • Agenda mit grobem Aufbau der Präsentation.
  • Kurze (!) Beschreibung der Ausgangssituation (Ausbildungsbetrieb, Problemstellung, Ist-Analyse).
    • Viele Prüflinge nutzen diesen Teil als viel zu lange Werbeveranstaltung für das Ausbildungsunternehmen. Es interessiert niemanden, wie viele Standorte und tolle Produkte euer Unternehmen hat. Ihr sollt euer Projekt und eure eigene Arbeit vorstellen. Eine Folie zum Unternehmen und maximal ein paar Sätze dazu reichen.
  • Projektziel (Soll-Konzept, Qualitätskriterien).
    • Hierbei besonders auf den Kontext und das Ziel des Projekts eingehen, das man ohne Vorkenntnisse verstehen sollte. Ich habe schon Präsentationen gesehen, bei denen ich bis zum Ende nicht wusste, was eigentlich genau umgesetzt wurde und warum das sinnvoll war.
  • Projektbegründung: Projektkosten und Wirtschaftlichkeitsbetrachtung (Amortisationsrechnung, gerne grafisch), ggfs. Nutzwertanalyse.
    • Die Wirtschaftlichkeit ist ein absoluter Pflichtteil in jeder Präsentation, auch wenn die meisten Entwickler sich lieber mit der Technik auseinandersetzen.
  • Architektur der Anwendung (Einbindung in und Interaktion mit anderen Systemen).
    • Wie komplex ist die Aufgabenstellung? Welche Komponenten wurden umgesetzt?
  • Implementierung (z.B. ERM, UML, (kurze) Quelltexte, Screenshots).
    • Es ist erstaunlich, dass es immer wieder Präsentationen gibt, aus denen die verwendete Programmiersprache und/oder Frameworks usw. nicht hervorgehen.
    • Auch die Qualitätssicherung ist ein zentraler Punkt. Habt ihr getestet? Wie? Gab es Code-Reviews? Wer hat das Programm abgenommen?
  • Übliche Grafiken zur Erklärung bestimmter Sachverhalte.
    • ERM, Tabellenmodell für die Datenbank.
    • GUI-Mockup, Screenshot für die Oberfläche.
    • Use-Case-/Aktivitätsdiagramm, EPK oder Flussplan für die Anforderungen.
    • Klassen-/Komponentendiagramm für die Architektur der Anwendung.
    • Deplomentdiagramm für die physikalische Verteilung der Anwendung.
    • Klassen-/Sequenz-/Zustandsdiagramm für die Implementierung.
    • Visuelle Amortisationsrechnung bei der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung.
  • Beispiele für aufgetretene Probleme und eure Lösungen dafür.
    • Bitte keine Trivialitäten wie „ich habe bei der for-Schleife einen Off-by-one-Error gehabt“.
  • Fazit, Ausblick.
    • Hier könnt ihr gerne noch kurz (!) eure Erfahrungen unterbringen und ggfs. zeigen, dass das Projekt fortgeführt oder erweitert wird.
  • Schlussfolie mit Name, Logo usw.

Bewertungsschema der IHK

Die IHK bewertet die Präsentation nicht allein, sondern im Zusammenhang mit dem anschließenden Fachgespräch. Es gibt also immer nur eine Note für den gesamten Prüfungstag. Dennoch kann eine gute Präsentation natürlich die Gesamtnote verbessern bzw. eine schlechte das ansonsten gute Fachgespräch abwerten.

  • Fachkenntnisse (20%)
    • Die müsst ihr also zeigen! Das bedeutet: Methoden, Kosten, Grafiken, spannende Inhalte.
  • Rhetorik (10%)
    • Ich gehe davon aus, dass ihr die Präsentation so lange übt, bis ihr sie perfekt auswendig könnt und exakt auf 15 Minuten kommt. Dann sollte der Vortrag locker und professionell möglich sein.
  • Medieneinsatz (10%)
    • Wie man mit PowerPoint umgeht, solltet ihr nach drei Jahren Ausbildung wissen. Sinnvolle Animationen sind zur Unterstützung der Verständlichkeit Pflicht.
  • Begrüßung und Einstieg in die Präsentation (10%)
    • Siehe oben: Macht direkt euer Thema deutlich und zeigt, was eure Leistung ist. Verschwendet keine wertvolle Zeit mit der Historie oder dem Organigramm eures Ausbildungsbetriebs.
  • Ergebnis des Fachgesprächs (50%)
    • Hierzu folgen in Kürze weitere Artikel zu den häufigsten Inhalten.

Foliendesign

Zum Thema Foliendesign ist eine allgemeine Empfehlung immer schwierig. Die meisten Prüfungsausschüsse werden wohl den „klassischen“ Aufbau der Folien erwarten (vgl. Forendiskussion), also

  • Kopf-/Fußzeile mit Unternehmenslogo, Datum, Titel etc.
  • Folien sollten der Corporate Identity des Ausbildungsbetriebs folgen
  • ständig sichtbares Inhaltsverzeichnis (als „Fortschrittsbalken“)
  • Stichpunkte als Bullet Points auf den Folien
  • nicht zu viel Text auf den Folien
  • Methoden grafisch dargestellt

Ich vertrete hier einen etwas anderen Ansatz, aber dazu mehr in einem späteren Artikel.

Über Feedback zu meiner Liste in den Kommentaren würde ich mich freuen. Habe ich etwas vergessen? Setzt ihr andere Prioritäten?

Weitere Infos zur Projektpräsentation

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Checkliste für die Projektpräsentation

5 thoughts on “Inhalte der Projektpräsentation

  1. Hallo
    Ich habe eine Frage zu Bildquellen. Ich sehe, dass viele nach der Danksagung die Folien mit Bildquellen angeordnet haben. Wird nach der Danksagung , dann noch erwähnt, dass man die Bildquellen noch hinzugefügt hat? Ich weiß nicht, ob ich Bildquellen nicht lieber als Handouts ausgebe.

  2. Ein Handout finde ich unnötige Papierverschwendung. Und die Quellen gehören ja zur Präsentation und sollten nicht mit einem anderen Medium verteilt werden. Einfach die letzte Folie für die Quellenangaben reservieren und fertig. Du kannst sie auch als Slideshow nach deiner Präsentation automatisch durchlaufen lassen, wenn du eh nichts dazu sagen willst und die Zeit einsparen willst.

  3. Also im Prinzip muss ich nichts dazu sagen?
    Ich dachte mir wenn ich sie einblende, finde ich das irgendwie blöd zu sagen, danke für Ihre Aufmerksamtkeit, aber ich ich habe noch paar Bildquellen für Sie.
    Oder ich blende sie kurz vor der Danksagung ein ..hmm

  4. Wird erwartet, dass man genauer auf die Implementierung eingeht? Oder sollte der Fokus darauf liegen, dass man zeigt wie die Anwendung aussieht und welche Funktionalität sie hat. Schließlich wird in der Doku ausführlich erklärt wie man sein Projekt umgesetzt hat. Von dem knappen Zeitrahmen ganz zu schweigen.

  5. Wir achten immer darauf, dass alle Bestandteile des Projekts vorgestellt werden. Ich würde also versuchen, aus allen Phasen die wichtigsten Inhalte zu zeigen. Und Quelltext gehört meiner Meinung mit dazu.

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