Corporate Design ist Pflicht – Mythen der Projektpräsentation

Dieser Beitrag ist Teil 1 von 8 in der Serie Mythen der Projektpräsentation.

Wie jedes Jahr steht mal wieder der mündliche Teil der Sommerprüfung vor der Tür und den zentralen Anteil daran hat natürlich die Projektpräsentation. Hier können die Prüflinge noch einmal alles geben und ihr Projekt – und natürlich auch sich selbst – von der besten Seite zeigen. Im Gegensatz zum Fachgespräch haben die Prüflinge den Großteil der Note für die Präsentation in der eigenen Hand, da sie sich (teils wochenlang) intensiv auf den einen 15minütigen Auftritt vorbereiten und selbst bestimmten können, welche Inhalte sie zeigen.

Für viele Prüflinge startet die Vorbereitung auf die Projektpräsentation mit der Auswahl des Mediums. In den meisten Fällen wird PowerPoint (oder ein anderes Präsentationsprogramm wie Keynote, Impress oder auch Prezi) gewählt. Das ist auch völlig in Ordnung und sicherlich der Standard für die meisten Prüfungen. Ich habe ehrlich gesagt auch noch nie eine andere Form der Präsentation gesehen.

Aber beim nächsten Schritt – der Auswahl der Vorlage für die Folien – möchte ich dann doch kurz mit einem Mythos aufräumen, den ich seit Jahren immer wieder höre:

„Die Folien müssen dem Corporate Design des Ausbildungsbetriebs entsprechen. Das wird so erwartet.“

Mit diesem Thema starte ich heute meine Artikelreihe rund um die Mythen der Projektpräsentation.

Beispiel für eine Präsentation mit Corporate Design

Schauen wir uns einmal eine „klassische“ Präsentation auf Basis eines Corporate Designs (oder wahlweise auch mit Corporate Identity vermischt) an:

FIAE Projektpräsentation Alt - Folie 1

FIAE Projektpräsentation Alt - Folie 2

FIAE Projektpräsentation Alt - Folie 3

FIAE Projektpräsentation Alt - Folie 4

Das ist ein sehr häufig anzutreffendes Layout mit Kopf- und Fußzeile sowie mitlaufendem „Menü“. Ich habe übrigens die zur Zeit aktuelle Original-PowerPoint-Vorlage meines Arbeitgebers verwendet.

An diesem Layout finde ich einige Punkte, die mir nicht gefallen:

  • Das Titelbild hat nichts mit dem Projekt zu tun.
  • Datum und Name sind kaum lesbar (Schriftgröße 8).
  • Datum und Name sind uninteressante/unnütze Informationen.
  • Das Logo ist kaum erkennbar (siehe Private Krankenversicherung).
  • Die Schrift für den Inhalt ist viel zu klein (Schriftgröße 18).
  • Die blauen Aufzählungspunkte vor der Punktliste sind kontrastschwach.
  • Die Textfolien sind langweilig und visuell nicht ansprechend.
  • Kopf- und Fußzeile nehmen viel Platz auf der Folie weg.
  • Das mitwandernde Menü nimmt noch mehr Platz auf der Folie weg.

In dieser Artikelreihe widme ich mich nun der Optimierung dieser Folien. Beginnen wir mit dem Corporate Design. Das Corporate Design der Folien äußert sich hauptsächlich im Logo, dem Titelbild, der Kopf- und Fußzeile und den verwendeten Farben.

Logo des Ausbildungsbetriebs

Ich kann verstehen, dass viele Ausbildungsbetriebe Wert darauf legen, nach außen ein einheitliches Erscheinungsbild zu vermitteln. Aber wenn dies den Erfolg der Präsentation beeinträchtigt, rate ich dazu, das Corporate Design wegzuwerfen und eine sinnvollere Lösung zu finden.

Außerdem wird die Abschlussprüfung häufig als eine Art Werbeveranstaltung für den Ausbildungsbetrieb missbraucht. Das ist sie nicht. Es geht um die Präsentation des Projekts des Prüflings und der Ausbildungsbetrieb sollte dabei meiner Meinung nach in 1-2 Sätzen abgehandelt werden.

Wenn aber nun gerade das Logo – das vielen Betrieben sehr wichtig ist – wie im Beispiel zwar auf allen Folien sichtbar ist, aber bei der Präsentation eh in den Hintergrund rückt und in meinem Beispiel sogar fast nicht (vollständig) zu erkennen ist, wird aus meiner Sicht das Ziel verfehlt.

Und ich denke, bei einer 15minütigen Präsentation muss ich nicht auf jeder Folie um die Ohren gehauen bekommen, um welchen Ausbildungsbetrieb es sich gerade handelt. Das kann ich mir merken.

Ich würde daher das Logo so präsentieren, dass es die Aufmerksamkeit bekommt, die es verdient, gut erkennbar ist und trotzdem dem Zuschauer nicht ständig auf die Nerven geht. Kurzum, ich würde es groß auf der Titelfolie und noch einmal auf der letzten Folie platzieren.

Titelbild

Das Titelbild meines Beispiels ist zwar nett für eine Werbeveranstaltung (das ist keine Ironie), aber hat leider nichts mit dem Thema des Abschlussprojekts zu tun. Viele Vorlagen nutzen noch nicht einmal ein Titelbild, sondern zeigen nur das Logo des Unternehmens und ein paar farbige Balken oder andere Layoutmittel.

Ich würde versuchen, schon mit der Titelfolie Bezug auf das Abschlussprojekt zu nehmen. Denn meist ist dies die Folie, die am längsten sichtbar ist. Normalerweise starten die Prüflinge ihre Präsentation nämlich bereits vor oder während der Vorstellung des Prüfungsausschusses. Und die ganze Zeit über ist die Titelfolie sichtbar.

Es spricht also nichts dagegen, mit der Titelfolie etwas Eindruck zu machen.

Das funktioniert am besten mit ansprechenden Bildern und großer Schrift. Wenn ich mich schon auf der Titelfolie anstrengen muss, um alles lesen zu können (siehe Autor/Datum in meinem Beispiel oder auch schon die Zeile unter der Titelzeile), werden die normalen Folien erfahrungsgemäß nicht besser.

Ob man gute Bilder zur Visualisieren findet, hängt natürlich vom Projekt ab. Vielleicht hat man mit einer bestimmten Hardware gearbeitet oder ein Dokument erstellt. Man kann Bilder vom Geschäftsbetrieb im Unternehmen verwenden oder Screenshots des Programms. Auch ER-Modelle oder Klassendiagramme könnte ich mir vorstellen (dann allerdings bewusst als grobe Übersicht ohne den Anspruch der Lesbarkeit). Oder man verwendet gleich ein ganz anderes Foto, das nur die Idee des Projekts vermittelt.

Eine interessante Alternative kann auch sein, das Foto des Prüflings zu verwenden, da meist keine separate Vorstellungsfolie gezeigt wird. So kann man zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Im Zusammenhang mit dem großen Logo des Unternehmens könnte solch eine Folie so aussehen:

FIAE Projektpräsentation Neu - Titelfolie 1

FIAE Projektpräsentation Neu - Titelfolie 2
Foto von helloolly

Kopfzeile

Wenn das Logo nun gut sichtbar auf der Titelfolie platziert ist, können wir es uns auf den folgenden Folien sparen. Es nimmt nur Platz weg, lenkt vom eigentlichen Inhalt ab und ist sowieso nicht gut zu erkennen, weil es viel zu klein ist. Also raus damit!

Bei der Gelegenheit können wir auch gleich die ganze Kopfzeile streichen, da wir die Überschrift evtl. gar nicht auf jeder Folie brauchen und wenn doch, wir immer interessantere Möglichkeiten finden können, den Text zu platzieren.

Dadurch eröffnen wir uns – im Zusammenhang mit der Fußzeile, die gleich auch noch gestrichen wird – die Möglichkeit, bildschirmfüllende Grafiken zu verwenden, die nicht seltsam über die Kopfzeile hinausragen oder das ansonsten einheitliche Corporate Design zerstören. Wenn man nämlich strikt am Corporate Design festhält, dann aber doch mal eine große Grafik abbildet, passt diese Folie nicht zum Rest der Präsentation und das wirkt unprofessionell. Dieses Problem haben wir nicht mehr, wenn wir das Corporate Design von Anfang an weglassen.

Fußzeile

Die Fußzeile wird ersatzlos gestrichen. Sie bietet keinen Mehrwert und nimmt nur Platz weg. Der gesamte Bereich unter dem Strich ist frei und wird auch nicht für Inhalt genutzt. Das Datum und der Autor sind völlig überflüssige Informationen. Ich habe mich als Prüfling schon auf der ersten Folie vorgestellt und werde das auf der letzten Folie noch einmal zeigen. Das sollte für 15 Minuten reichen. Auerdem interessiert letztlich niemanden der Name des Prüflings (Achtung: etwas überspitzt dargestellt). Es geht um den Inhalt! Und welche praktische Relevanz hat das aktuelle Datum? Keine.

Zusätzlich sind Autor und Datum so klein dargestellt, dass man sie eh nicht lesen kann. Das ist nur überflüssiger Ballast, der vom Inhalt ablenkt.

Ein weiterer Punkt ist die Seitenzahl: Ich habe noch nie erlebt, dass nach einer Prüfung ein Prüfer sagte „Gehen Sie mal bitte auf Folie 23, dazu habe ich noch eine Frage.“. Vielmehr wird immer gesagt „Zeigen Sie bitte noch einmal Ihr Klassendiagramm.“ Wer merkt sich Foliennummern? Niemand. Also raus damit.

Nach dieser Überarbeitung starten wir für unsere normalen Folien mit einer weißen Fläche. Keine überflüssigen Elemente stören unseren Gestaltungsspielraum. Dafür haben wir die völlige Flexibilität beim Layout der Folien. Jede Folie könnte im Extremfall völlig anders aussehen als die anderen. Und das ist ok, solange jede Folie ihre Botschaft bestmöglich transportiert.

Farben und Schriftart

Um bei diesem Vorgehen trotzdem einen „roten Faden“ in den Folien zu finden, kann und muss der Teil des Corporate Designs verwendet werden, der uns nicht in der Gestaltung einschränkt: Farben, Schriftarten usw. Diese Gestaltungselemente sollten wir natürlich durchgehend verwenden.

Hier kommen zwei überarbeitete Folien:

FIAE Projektpräsentation Neu - Agenda

FIAE Projektpräsentation Neu - Use Cases

Fazit

Die letzten Beispiele sind noch nicht die Endausbaustufe. Man kann noch einiges optimieren. Doch dazu mehr in späteren Beiträgen. Ich hoffe, ich konnte in diesem Beitrag zunächst einmal mit dem Mythos des Corporate Designs als unbedingte Voraussetzung für eine Projektpräsentation aufräumen.

Schaut euch gerne einmal die Präsentation von Gerda an: Projektpräsentation von Gerda Feldhaus (mit 100% bewertet). Sie hat auf ein Corporate Design verzichtet und es trotzdem geschafft, ein stimmiges Gesamtbild zu liefern.

Wie ist eure Meinung dazu? Findet ihr meinen Ansatz sinnvoll oder geht ihr lieber „auf Nummer sicher“ mit dem klassischen Layout? Habt ihr vielleicht Positiv- oder Negativbeispiele für ansprechende Foliengestaltung? Dann immer her damit! Schreibt mir gerne einen Kommentar.

Weitere Infos zur Projektpräsentation

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7 thoughts on “Corporate Design ist Pflicht – Mythen der Projektpräsentation

  1. Pingback: Anonymous
  2. Guten Tag,

    Zunächst einmal, vielen Dank für diese Seite. Man findet hier wirklich alle relevanten Dinge rund um die Abschlussprüfung. Was grundsätzlich zu beachten ist, sind die unterschiedlichen Forderungen rund um die Präsentation und Projektarbeit der jeweiligen IHK´s der einzelnen Bundesländer. Mein Ausbildungsbetrieb ist in BaWü und hier gab es vorab schon einiges zu beachten, insbesondere was die schriftliche Prüfung betrifft. Was die Projektpräsentation betrifft, bin ich mir noch unsicher, wobei hier eher die Prüfer und deren „Geschmack“ im Vordergrund stehen. Natürlich gibt es eine Bewertungsmatrix für die Präsentation, schließlich soll ja keiner benachteiligt werden.

    Dennoch finde ich dieses Thema sehr, sehr heikel und problematisch. An welche Vorgaben hält man sich nun? Gerade was die Agenda und die Fußzeile (sofern man eine nutzt) betrifft, gab es schon während dem Berufsschulunterricht und den dort vorkommenden Präsentationen „Zoff“. Ich persönlich finde Fußzeilen in Präsentationen ganz einfach hässlich. Ebenfalls bin ich der Meinung, dass mit diesen Informationen alá „Mein Name, Datum, Seitenzahl“ in der Fußzeile „nichts“ angefangen werden kann. Selbiges betrifft die Agenda, was soll mir diese mitteilen? Wie lange der langweilige Vortrag noch dauert ;)? Wann kommt endlich das letzte Thema der Präsentation? Selbst, wenn man sich das Inhaltsverzeichnis (welches zu beginn vorgestellt wird) nicht merken kann, es geht doch um den Projektablauf, nicht um meinen Namen und das heutige Datum.

    Was passiert nun aber, wenn ich einen Prüfer der „alten Schule“ vor mir sitzen habe? Es gibt Punktabzug! Wir mussten in der Schule stets eine Fußzeile auf jeder Folie einfügen (Agenda war nicht gefordert). Keine Fußzeile = Punktabzug. Ich persönlich wollte mich dagegen wehren, jedoch ohne Erfolg.

    Mythen hin oder her, letztendlich muss man sich an die Vorgaben halten, was ich persönlich wahnsinnig schade finde. <– Damit meine ich natürlich nicht die absoluten „Muss-Kriterien“, wie Schriftgröße etc.! Sondern eben solche Geschichten wie Agenda und Fußzeile auf jeder Folie.

    Zusammengefasst:

    Bin absolut deiner Meinung
    Wer 100% möchte, sollte sich an die Vorgaben halten (ich persönlich würde das Risiko, welches Gerda eingegangen ist, nicht eingehen) <– soll nicht die Leistung schmälern, oder als Kritik aufgefasst werden
    So ein bundeseinheitlicher Leitfaden, mit EINDEUTIGEN Kriterien, insbesondere was die solche Dinge wie „Fußzeile“ und „Agenda“ betrifft, wäre wünschenswert. Es geht hier um unsere Zukunft xD
    Liebe Gerda, falls du das liest, RESPEKT! für deine Leistung
    Ich habe fertig! Viel Glück allen Azubis die diesen sinnlosen Beitrag zu Ende gelesen haben 😉

  3. Hallo VerwirrterUser,

    ich muss dir leider recht geben: Deine Note geht vor. Also wenn du klare Vorgaben hast, halte dich besser dran. Aber ich kenne kein Dokument, das explizit schlechte Folien fordert. Du?

    Es gibt meiner Meinung nach immer Spielraum. Niemand wird doch wohl soetwas vorgeben wie „Agenda auf jeder Folie!“. Es geht doch um das Ziel „roter Faden“. Wie du das Ziel erreichst – z.B. mit ansprehenden Zwischenfolien – ist doch dir überlassen.

    Viele Grüße!
    Stefan

  4. Hallo,
    vielen Dank für diesen ausführlichen Artikel, allerdings würde ich unter keinen Umständen die Foliennummer entfernen. Sie sollte gut lesbar in irgendeiner Ecke stehen. Natürlich ist es kein Problem sie ein wenig in den Hintergrund zu stellen, indem z.B. die Farbe entsprechend angepasst wird, allerdings da und gut sichtbar sollte sie auf jeden fall sein. Merken muss sie die Foliennummer niemand, ich gehe mal stark davon aus das sich die Leute im Prüfungsausschuss auch Notizen machen. Ich selbst mache das nicht anders, wenn ich Zuhörer bei einer Präsentation bin, ich habe eine Frage zu dem ER-Diagramm -> Foliennummer notieren und später in der Fragerunde mit Foliennummer nachfragen. Damit macht man sich selbst als derjenige der Präsentiert das leben ein wenig einfacher. Meiner Meinung nach ist die Foliennummer eine absolut relevante Information.

    Viele Grüße
    Florian

  5. Hallo Florian,

    danke für den Hinweis. Das kann ich gut nachvollziehen und denke, dass die Ansicht auch für andere Prüflinge hilfreich ist.

    Persönlich würde ich die Foliennummer trotzdem weglassen, weil wir sie in unserem Ausschuss noch nie gebraucht haben. Wenn wir Fragen zum ERM haben, sagen wir einfach „Zeigen Sie uns bitte noch einmal das ERM.“. 🙂 Ich notiere mir keine Foliennummern. Das wäre mir viel zu aufwändig.

    Viele Grüße!
    Stefan

  6. Hallo 🙂
    Bei uns ist in der Firma ist es üblich ein Vorgehensmodell in der Präsentation zu zeigen. Kann mir vorstellen, dass sich das einfach mal eingebürgert hat, aber eigentlich unsinnig ist.
    Muss man extra eine Folie haben, die zeigt dass man das erweiterte Wasserfallmodell genutzt hat?

  7. Hallo emJey,

    wenn dein Vorgehensmodell für dein Projekt relevant ist und du meinst, dass es ein wichtiger Inhalt war, dann kannst du es gerne zeigen. Du musst den Prüfern jedoch nicht erklären, was das Wasserfallmodell ist. Du kannst davon ausgehen, dass es Ihnen bekannt ist.

    Viele Grüße!
    Stefan

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