Rückblick auf die Sommerprüfung 2015 – Anwendungsentwickler-Podcast #20

In der zwanzigsten Episode meines Anwendungsentwickler-Podcasts blicke ich auf die Abschlussprüfung im Sommer 2015 zurück und gebe Tipps für die kommenden Prüflinge.

Inhalt

  • Die schriftliche Prüfung hat dieses Jahr viele Prüflinge ihre gute Note gekostet. Insb. WiSo hat viele Prüflinge runtergezogen.
  • Die Rechtschreibprüfung und ein Korrekturleser sind die Freunde jedes Prüflings.
  • Das gilt auch für die Projektpräsentationen.
  • Methodik fehlt häufig in den Präsentationen und Dokumentationen.
  • Wenige Zeilen Code reichen nicht als Abschlussprojekt.
  • SAP-Projekte fallen auffällig oft in diesen Bereich.
  • REST zusammen mit JSON kommt immer häufiger zum Einsatz. Leider kann fast niemand definieren, was das eigentlich ist.
  • Das gleiche gilt für die zentralen Eigenschaften der eigenen Programmiersprache (z.B. Typisierung).
  • Standardfragen können immer noch nicht beantwortet werden. Das reißt teils sogar gute Prüflinge rein.
  • Funktionale Programmierung wird noch nicht angewendet.
  • Programmierfeatures (wie z.B. Lambdas, Generics) werden eingesetzt, ohne sie zu verstehen.
  • Die Frage nach dem „Warum“ wird selten gestellt. Einige Vorgaben werden einfach hingenommen.
  • Die Präsentationen werden langsam farbenfroher und ansprechender.
  • Mehrere Prüflinge wurden von ihren Betrieben im Regen stehen gelassen. Wenn euch das auch so geht, macht euch frühzeitig Gedanken, was ihr dagegen tun könnt (z.B. bei der IHK melden).

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13 thoughts on “Rückblick auf die Sommerprüfung 2015 – Anwendungsentwickler-Podcast #20

  1. Hallo Stefan,

    ist denn dieses Jahr einer deiner Prüflinge durchgefallen? Wenn ja was der Grund?
    Sind dir vielleicht auch ein paar Besonderheiten in Bezug auf die Prüfung in BaWü bekannt?
    Wieder einmal ein sehr interessanter Beitrag 🙂

    Viele Grüße
    FAE

  2. Hallo FAE,

    danke für das Feedback!

    Ja, ein Prüfling ist durchgefallen. Aber da war wirklich quasi gar kein Fachwissen vorhanden. Also z.B. Schleifen und Verzweigung verwechselt, Objektorientierung nicht vorhanden, Datenbanken keine Ahnung usw. Und das merkte man auch in der Dokumentation und Präsentation. Da wurde einfach der falsche Beruf gewählt.

    Zur Prüfung in BaWü kann ich leider nichts sagen, aber sie wird wohl ähnlich ablaufen wie im Rest der Republik 😉

    Viele Grüße!
    Stefan

  3. Servus Stefan,
    mit 52 Jahren und als absoluter Quereinsteiger bin ich quasi in die Umschulung geprügelt wurden, habe jedoch sehr viel Spaß daran gefunden. Nun bin ich seit Mai im Praktikum am Landratsamt Meißen, in der EDV-Abteilung, die jedoch weder entwickeln noch testen usw. Ich beschäftige mich hier ausschließlich mit der Inventarisierung mittels dieser Software : http://www.icon-fm.de/. Es ist durchaus interessant und bringt mich gerade auch im Bereich Datenbanken weiter, ich habe jedoch Sorge, dass dies der IHK-Dresden als Projekt nicht ausreichen wird.
    Die Fachrichtung Anwendungsentwicklung kommt hier doch sehr kurz!?!
    Für Deine Zeit und vieleicht ein paar Tipps bin ich Dir sehr dankbar.
    Perry

  4. Hallo Perry,

    wie genau wäre denn der Titel deines Abschlussprojekts und was wären die Bestandteile? Du hast recht: ein Projekt ganz ohne Programmierung wäre (mir) zu wenig, aber wenn du z.B. eine umfangreiche Datenbank modellierst, kann das durchaus reichen.

    Viele Grüße! Stefan

  5. Das Abschlussprojekt ist ja noch in der Entwicklungsphase und sicher werden einige rhetorische “ Verkaufskünste “ erforderlich sein, ich habe mir da die Vorteile wie Transparenz, Kostensenkung, Personalaufwand, leichte Bedienbarkeit usw. vorgestellt.
    Gruß Perry

  6. Hallo Stefan,

    seit der Sommerprüfung 2015 kann ich mich Fachinformatiker in der Fachrichtung Anwendungsentwicklung nennen. Begleitend zur Projektdokumentation, der schriftlichen sowie der mündlichen Prüfung habe ich deine Podcasts angehört, und deine Themen mitverfolgt.

    Diese haben mir bei der Prüfungsvorbereitung und bei dem Füllen der Wissenslücken sehr geholfen.

    Danke dir für deine geleistete Arbeit, diese Podcasts aufzunehmen, zu bearbeiten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Qualität der Podcasts ist stets gleichbleibend hochwertig und eine klare Empfehlung für alle Auszubildenden Fachinformatiker.

    Danke vielmals,

    Julian

  7. Hallo Julian,

    vielen Dank für dein positives Feedback. Das ermuntert mich weiterzumachen. Achja: Herzlichen Glückwunsch zur bestandenen Prüfung 🙂

    Viele Grüße!
    Stefan

  8. Hallo Stefan,

    erstklassiger Podcast! Es ist natürlich traurig, dass bei vielen Azubis kaum theoretisches Basiswissen vorhanden ist. Das ist definitiv ein konzeptionelles Manko der Ausbildung zum FIAE.
    Ich bin mir aber nicht sicher, ob man hier den Betrieb in die Pflicht nehmen kann.

    Im Betrieb lernt man die Praxis, idealerweise an Problemen aus dem Tagesgeschäft.
    Das ist ja das Tolle an der dualen Ausbildung – echte Berufserfahrung, von Anfang an. Idealerweise kann man dabei auch verschiedene Bereiche der Softwareentwicklung sehen: Anforderungsanalyse, Qualitätssicherung, Integration sowie Frontend-, Backend-, Mobile-, Datenbankentwicklung etc.
    Bei vielen Unternehmen durchläuft man in der Ausbildung mehrere Abteilungen. Entsprechend ist die Ausbildung im Betrieb dann idR auch sehr fragmentiert. Es gibt oft keinen roten Faden anhand dessen das theoretische Fundament Schritt für Schritt aufgebaut werden kann.

    Diesen roten Faden kann man natürlich herstellen, allerdings ist das eine echte Herausforderung.
    Selbst bei nur einem Azubi pro Jahr braucht es dafür eigentlich einen hauptberuflichen Ausbilder, der neben pädagogischer und vor allem technischer Kompetenz auch die Zeit aufwenden kann, Lerninhalte zu erstellen, zu vermitteln, den Fortschritt zu kontrollieren und Feedback zu Methodik und Ergebnissen geben zu können.
    Die wenigsten Unternehmen leisten sich diesen „Luxus“.
    Stattdessen sind die meisten Ausbilder ins Tagesgeschäft eingebunden und haben nur sehr begrenzt Zeit, den Azubis auf die Finger zu schauen.

    Und an dieser Stelle muss ich auch ganz ehrlich sagen, hier sehe ich die Schule in der Pflicht.
    Hier hat man feste und regelmäßige Schuleinheiten, in denen man sehr effizient ca. 20 Azubis auf einmal die theoretischen Grundlagen zusammenhängend vermitteln könnte.
    Dein Podcast zeigt – und das kann ich aus persönlicher Erfahrung bestätigen – dass das fast gar nicht passiert.
    Wie auch? Es ist keine Zeit dafür!
    Der Rahmenlehrplan sieht für die gesamte Ausbildung zum FIAE 300 von 880 Schulstunden für LF6 (Entwickeln und Bereitstellen von
    Anwendungssystemen) vor, i.e. 34% der Gesamtstunden.
    Bei uns wurden im ersten Schuljahr 7 von 33 wöchentlichen Schulstunden für LF6 verwendet. Im zweiten Schuljahr sind es 8 von 36. Das sind 21% resp. 22%. Das muss man fast als Nebenfach bezeichnen, sowenig Stunden, wie für LF6 „abgezwackt“ werden. Aber selbst 34% finde ich einfach zu wenig. Es sollten m.E. mindestens 50% sein.

    Abgesehen von der zur Verfügung stehenden Zeit wird der Fokus in LF6 dann, zumindest bei uns, auch völlig falsch gesetzt.
    Im ersten Schuljahr haben wir mit kleinen Übungsaufgaben die Syntax von C# gelernt. Warum? Klar erweitert es den Horizont, mal eine neue Programmiersprache kennenzulernen. Aber so lernt man wenig über Softwareentwicklung.
    Algorithmik, Datenstrukturen, Programmierprinzipien und -paradigma (ruhig auch mal funktional oder aspektorientiert), Analyse, Design, Methodik. Sprachkonstrukte hinterfragen und eben die theoretische Seite etwas schulen! Sowas will ich lernen, denn dafür gibt es im Betrieb oft kein zusammenhängendes pädagogisches Konzept.

    So wie es steht, hat die schulische Seite der Ausbildung zum Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung leider gar wenig mit Informatik zu tun. Es fehlen viele theoretische Grundlagen!

    Aber grade deshalb finde ich dein Engagement hier prima! Dein Blog ist genau das Richtige für theoriehungrige Azubis 😉 Sei es Reactive Programming, Microservices, Dependency Injection oder auch mal ein Artikel, der objektorientierte Programmierung kritisch beleuchtet. Weiter so! Vielleicht wäre es auch mal einen Blog-Eintrag wert, welche Informationsquellen man als FIAE so benutzen kann, um aktuelle Themen mitzubekommen bzw. zu diskutieren (z.B. für Technisches reddit, quora, … und für die Ausbildung selbst fachinformatiker.de o.ä.).

    Deine ganzen Inhalte rund um Ablauf und Vorbereitung der Abschlussprüfung sind ebenfalls Gold wert. Ich bin mir sicher eure Azubis genießen eine ausgezeichnete Ausbildung 😉 Aber stellvertretend für alle sonstigen Profiteure von mir ein Danke für die ganzen Inhalte hier.

    Viele Grüße,
    Max

  9. Hallo Max,

    vielen, vielen Dank für dein tolles Feedback. Kommentare wie diese ermutigen mich weiterzumachen.

    Ich persönlich sehe die Verantwortung für die erfolgreiche Ausbildung schon eher beim Betrieb als bei der Schule, aber du hast recht, dass sich viele Betriebe einen „hauptamtlichen“ Ausbilder nicht leisten können. Allerdings ist dann die Frage, warum diese Betriebe ausbilden? Häufig (meine persönliche Erfahrung) ist der Grund die Suche nach billigen Arbeitskräften. Meiner Meinung nach, zahlt sich eine Ausbildung erst langfristig durch gut qualifizierte Mitarbeiter aus. Auszubildende „kosten“ eigentlich immer mehr als sie einbringen. Und das sollte jedem Betrieb klar sein, bevor er sich entscheidet, junge Menschen auszubilden.

    Ich glaube, dass es bei den Berufsschullehrern – genau wie bei den Ausbildern – viele richtig engagierte Menschen gibt, die ihr Bestes geben, um die Prüflinge optimal vorzubereiten. Aber das allein reicht nicht. Wie du schon sagst: Die Praxis ist wichtig. Und die muss im Betrieb vermittelt werden.

    Viele Grüße!
    Stefan

  10. Hallo Stafan,

    zu allererst mal vielen Dank für diesen Podcast. Normalerweise meide ich dieses Medium, aber in diesem Fall war ich sehr aufmerksam.
    Nun befinde ich mich, als bald 35 jähriger Umschüler, direkt vor meiner Abschlussprüfung. Die Doku ist bereits eingereicht und vermutlich schon bewertet. Auf die schriftliche bin ich gut vorbereitet, wobei auch meine Strategie ist, die Programmieraufgabe zu streichen, weil es einfach zu lange dauert, die Aufgabe zu verstehen, und den Code zu schreiben.
    Nun habe ich als Umschüler einen, aus meiner Sicht, sehr guten Bildungsträger gefunden, und habe sehr gute Grundlagen der Programmierung gelernt, die ich in einem sechsmonatigem Praktikum anwenden und ausbauen konnte.
    Allerdings merke ich schon, dass sich die verkürzte Zeit von 3 auf 2 Jahren bemerkbar macht, speziell was die fachliche Tiefe angeht. Wir haben uns zwar mit Objekten und Vererbung beschäftigt, aber den Löwenanteil dazu habe ich doch im Praktikum gelernt.
    Ich bin zwar guter Dinge, dass ich die Prüfung bestehen werde, aber dein Podcast hat mich doch nochmal sensibilisiert, was die Themen des Fachgesprächs betrifft.

    Lange Rede kurzer Sinn…
    Danke für die vielen Infos

    LG Buzz

  11. Hallo Stefan,
    die Winterprüfungen sind nun bald 2 Wochen her, und bestimmt hast du schon viele Infos dazu gekriegt. Als einer derjenigen, die auch diese Prüfung über sich ergehen lassen mussten, interessiert es mich natürlich, wie du über die Inhalte denkst. Magst du nicht auch zur Winterprüfung einen Rückblick machen. Fänden sicher viele interessant.

    LG Buzz

  12. Hallo Buzz, leider war mein Prüfungsausschuss an der aktuellen Winterprüfung nicht beteiligt. Ich bin nur alle drei Jahre dabei, da im Winter nicht so viele Prüflinge teilnehmen und wir drei Ausschüsse haben. Daher habe ich weder die schriftliche noch die mündliche Prüfung gesehen und kann deswegen auch keinen Rückblick anbieten. Tut mir leid. Viele Grüße! Stefan

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