Tipps zum Berichtsheft

Da bald das neue Ausbildungsjahr beginnt, möchte ich einmal auf ein – für viele Azubis – leidiges Thema im Zusammenhang mit der Ausbildung eingehen: das Berichtsheft.

Von vielen Azubis wird das Berichtsheft als nervige Pflicht angesehen, aber es gibt auch einen konkreten Grund, warum es erforderlich ist. Und mit ein wenig Einsatz kann das Führen des Berichtshefts sogar Spaß machen.

Warum muss man überhaupt ein Berichtsheft führen?

Laut § 43 (Zulassung zur Abschlussprüfung) des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) gilt:

Zur Abschlussprüfung ist zuzulassen, […] wer an vorgeschriebenen Zwischenprüfungen teilgenommen sowie vorgeschriebene schriftliche Ausbildungsnachweise geführt hat […]

Das bedeutet, dass man nur zur Prüfung zugelassen wird, wenn man sein Berichtsheft ordnungsgemäß geführt hat. U.a. in § 7 (Berichtsheft) der Verordnung über die Berufsausbildung im Bereich der Informations- und Telekommunikationstechnik wird darüber hinaus das Berichtsheft für die IT-Berufe noch etwas genauer beschrieben:

Der Auszubildende hat ein Berichtsheft in Form eines Ausbildungsnachweises zu führen. Ihm ist Gelegenheit zu geben, das Berichtsheft während der Ausbildungszeit zu führen. Der Ausbildende hat das Berichtsheft regelmäßig durchzusehen.

Es gibt also eine eindeutige gesetzliche Regelung zum Berichtsheft. Und daran hat sich jeder Ausbildungsbetrieb, aber auch jeder Azubi zu halten. Wir schauen in der Prüfung auch durchaus in die Berichtshefte und nehmen Stichproben von den vermittelten Inhalten. Gerade bei etwas schlechteren Prüflingen ist häufig die Frage, ob der Ausbildungsbetrieb eine Mitschuld trägt. Und das lässt sich nur anhand der Ausbildungsinhalte nachweisen.

Und genau dieser wichtige Grund spricht auch aus Sicht des Prüflings für die korrekte Pflege des Berichtshefts. Es ist nämlich der einzige schriftliche Nachweis für ein Fehlverhalten des Ausbildungsbetriebs. Wenn der Ausbildende den Azubi drei Jahre lang nur Kaffee kochen lässt und das auch immer brav im Berichtsheft unterzeichnet hat, hat der Azubi später bei Problemen in der Abschlussprüfung die Möglichkeit, sich über das Ausbildungsunternehmen zu beschweren.

Natürlich sollte man nicht bis zur Abschlussprüfung damit warten. Also wenn im ersten Jahr außer einfachen Hilfstätigkeiten kein ausbildungsrelevanter Inhalt im Berichtsheft steht, wird es als Azubi Zeit, tätig zu werden und die zuständige IHK zu kontaktieren.

Wann sollte man das Berichtsheft pflegen?

Ich kenne einige Azubis, die das Führen des Berichtshefts nicht so ernst nehmen, und teils kurz vor der Prüfung Nachtschichten einlegen, um ein Berichtsheft zu produzieren. Das würde ich definitiv nicht empfehlen! Zusätzlich dazu, dass damit der gesamte Sinn des Berichtshefts hinfällig wird, ist es auch einfach schwierig, sich Ausbildungsnachweise für drei Jahre aus den Fingern zu saugen. Und wenn man dann noch alle Nachweise mit dem gleichen Datum unterschreibt, macht man es dem Prüfungsausschuss leicht, den Schwindel zu erkennen.

Eine vernünftige Ausbilderin wird darauf achten, dass das Berichtsheft regelmäßig geführt wird und den notwendigen Qualitätsanforderungen genügt. Rechtschreibfehler usw. sollten also im Berichtsheft nicht auftauchen.

Auch sollte das Berichtsheft regelmäßig ausgedruckt und abgeheftet werden, damit nicht kurz vor der Prüfung die große Panik einsetzt oder man das Berichtsheft gar ganz vergisst. Damit hat man als Azubi auch regelmäßig eine Unterschrift des Ausbildenden und könnte sich ggfs. bei der IHK beschweren, wenn es Probleme gibt. Ein guter Ausbildungsbetrieb wird kein Problem damit haben, regelmäßig das Berichtsheft abzuzeichnen.

Was heißt nun regelmäßig? Das kommt wohl wieder einmal auf die IHK an. Bei der IHK Oldenburg (siehe Berichtsheft kaufmännisch) sind die Ausbildungsnachweise als Wochenprotokolle zu führen und einmal monatlich zu unterzeichnen. Das ist meiner Meinung nach auch sinnvoll, da man als Anwendungsentwickler ja durchaus länger an Projekten arbeitet und nicht täglich etwas zu berichten hat (z.B. „Heute habe ich eine Schleife programmiert.“). Ich habe aber auch schon (dicke) Berichtshefte gesehen, die aus Tagesprotokollen bestanden.

Also: Informiert euch bei eurer IHK, wie das Berichtsheft zu führen ist. Normalerweise sollte euer Ausbildungsbetrieb das aber auch wissen.

In welcher Form sollte das Berichtsheft geführt werden?

Ich habe schon einige Berichtshefte gesehen, die handschriftlich geführt wurden. Ich finde allerdings das passt nicht so recht zu einem IT-Beruf. Außerdem ist das ein ziemlicher Aufwand. Ich würde also getippte Berichte empfehlen.

Natürlich könnte man nun eine Word-Datei anlegen – ggfs. auf Basis einer bestehenden Vorlage der IHK -, aber auch davon rate ich ab. Schließlich sind wir doch Anwendungsentwickler. Also bevorzuge ich etwas modernere Methoden.

Ich empfehle, das Berichtsheft in einem Wiki oder einer Plain-Text-Datei (z.B. mit Markdown) mit Versionierung (z.B. mit Git) zu führen. Das erleichtert die Korrekturen und auch die Prüfung durch den Ausbilder. Im Firmenwiki kann der Ausbilder sich jederzeit ein Bild vom Stand des Berichtshefts machen und ggfs. schon Korrekturen einbringen. In Word-Dateien ist das einfach umständlicher.

Aus den Wiki-Texten kann man dann z.B. ein LaTeX-Dokument füllen und hat auf Knopfdruck ein perfekt gesetztes Berichtsheft. Mein Azubi hat das Ganze so schon umgesetzt. Mal schauen, ob ich ihn dazu bewegen kann, die Programme zu veröffentlichen.

Fazit

Das Berichtsheft ist vielleicht etwas lästig, aber absolut notwendig (für die Zulassung zur Prüfung) und sinnvoll (als Nachweis bei einer schlechten Ausbildung). Also macht das beste draus und schiebt es nicht ewig vor euch her. Einmal die Woche aktualisieren sind nur wenige Minuten Aufwand. Wenn ihr dann noch einen coolen Buildprozess für das Berichtsheft aufbaut, macht das Ganze auch noch richtig Spaß! 🙂

Wie seht ihr das? Habt ihr Spaß am Berichtsheft oder ist es nur eine lästige Pflicht? Welche Form habt ihr für euer Berichtsheft gewählt?

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4 thoughts on “Tipps zum Berichtsheft

  1. Finde die Idee mit dem Markdown-Berichtsheft ziemlich gut, finde allerdings die Formatierung etwas schwieriger als in Word (habe dafür eben schon eine Vorlage). Das alles mit Versionierung durchzuziehen ist natürlich eine super Sache, aber damit hätte ich dann wohl mal vorher anfangen sollen =D

  2. Hallo Lea,

    für das „fertige“ Berichtsheft nutzen wir dann ja auch nicht mehr Markdown, sondern LaTeX. Aber Word würde natürlich auch gehen. Markdown eignet sich halt nicht für das ansprechende Setzen von Formularen oder langen Texten. Aber für die Notizen zu den Inhalten ist es perfekt. Dann muss halt einmal im Monat alles in die Vorlage übertragen werden.

    Viele Grüße!
    Stefan

  3. Hallo,

    ich führe mein Berichtsheft digital und der Ausbilder kann dort Einsicht zur Kontrolle nehmen. Jetzt haben wir die Berichtshefte alle ausgedruckt und unterschrieben. Ist es schlimm, wenn auf allen das heutige Datum steht?

  4. Hallo Theo,

    ich würde sagen, das ist kein Problem. Wir hatten dieses Jahr einen Prüfling, der erst am Tag seiner Prüfung alle Seiten hat unterschreiben lassen! 🙂

    Viele Grüße!
    Stefan

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